Elektroantrieb, Gas, Hybrid – welches sind die umweltfreundlichsten Autos?

Elektrofahrzeug an einer Ladestation.Diesel, SUV, Multi-Van: Wer solche Fahrzeuge fährt, wird nicht selten als Klimasünder bezeichnet. Zwar sind Kleinwagen mit Benzinantrieb sparsamer und somit auch umweltfreundlicher, aber warum nicht mal über alternative Antriebstechniken nachdenken? Elektromobilität, Hybridantrieb, Gas oder Biokraftstoff sind mögliche Alternativen, aber sind sie tatsächlich klimaschonender? Und kann man sich diese meist teureren Alternativen überhaupt leisten?

1. Gasantrieb

Das Auto mit Erdgasantrieb erlangte in den 1990er Jahren erstmals größere Verbreitung, die durch die Senkung der Mineralölsteuer für Erd- und Biogas gefördert wurde. Die Anfang der 2000er Jahre erhobene Ökosteuer sorgte für einen weiteren Auftrieb. Man unterscheidet zwischen LPG (Liquefied Petroleum Gas), auch als Flüssig- oder Autogas bekannt, und CNG, (Compressed Natural Gas), auch Erdgas genannt. Die Ökobilanz von Erdgasfahrzeugen kann man verbessern, in dem man Erdgas aus Biomasse und synthetischem Erdgas beimischt. Insgesamt sind die Emissionen im Vergleich zu Benzin- und Dieselfahrzeugen bei der Verbrennung von Auto- und Erdgas geringer, ebenso wie der CO²-Ausstoß. Ansonsten ist der Antrieb vergleichbar mit einem Benzin- oder Dieselmotor, denn auch hier wird ein herkömmlicher Ottomotor verbaut, der mit einer speziellen Einspritztechnik funktioniert. Auch spezielle Tanks für das Gas müssen eingebaut werden. Zudem besteht die Möglichkeit, Fahrzeuge sowohl mit Benzin oder Diesel als auch mit Gas zu betreiben. Der Vorteil ist zum einen, dass man zwischen zwei Antriebsarten mit Hilfe eines Schalters wechseln kann und zum anderen, dass man eine längere Strecke fahren kann, ohne zwischendurch tanken zu müssen. Tankstellen gibt es in Deutschland etwa 7000 für Autogas (LPG) und 900 für Erdgas (CNG). Es soll aber von Jahr zu Jahr mehr Tankstellen geben. Der Kauf eines Autos mit Gasantrieb ist höher als mit Benzin oder Diesel, der Treibstoff an den Tankstellen mit Gaszapfsäule wiederum günstiger. Je nach Kaufpreis amortisiert sich der Kauf eines Gasautos ab einer jährlichen Kilometerleistung zwischen 15.000 und 20.000 Kilometern. Für diejenigen, die ein Auto mit Gasantrieb kaufen wollen, aber nicht das nötige Kleingeld haben, ist oft eine Finanzierung eine Möglichkeit. Da der Fahrzeugschein II (Kfz-Brief) vom Kreditgeber in der Regel als Sicherheit einbehalten wird, dürfte es für diese auch interessanter sein, einen entsprechenden Kredit zu vergeben, da Autos mit Gasantrieb auch wertstabiler sind als andere Fahrzeuge. Wer seinen noch nicht so alten Benziner oder Diesel weiterhin fahren möchte, kann das Auto auch mit Gasantrieb nachrüsten lassen, wofür man lediglich einen Kleinkredit aufnehmen müsste. Am einfachsten und günstigsten ist der Umbau mit Autogas, hierfür werden Kosten zwischen knapp 2000 bis etwa 3500 Euro aufgerufen.
Wie sieht es nun mit der Klimabilanz bei Gasautos aus?
CNG-Autos sind nicht viel umweltschädlicher als Hybrid-Autos, da jedoch bei der Förderung von Erdgas Methan freigesetzt wird und bei der Gewinnung von Erdgas auch Methoden wie Fracking eingesetzt werden, schneidet Gas laut Wissenschaftlern sogar schlechter ab als fossile Brennstoffe. Auch wird die Produktion von Gasautos bei einigen Autobauern nicht mehr fortgeführt, insofern stellt sich die Frage, ob Autos mit Gasantrieb nach wie vor zukunftsfähig sind.

2. Biokraftstoff

Mann hält grünes-Modellauto in der Hand.Biodiesel, Bioethanol oder Biomethan wurden eine Zeit lang als klimafreundlich, weil sie gegenüber Benzin oder Diesel weniger Treibhausgase verursachen sollen. Während Biomethan aus Reststoffen hergestellt wird, ist es bei den anderen Biokraftstoffen im Hinblick auf das Klima schlecht bestellt, denn hierfür müssen Agrarflächen bereitgestellt werden, ja sogar Regenwälder werden hierfür abgeholzt, sagen Umweltverbände.

3. Plug-in-Hybride

Autos mit Elektroantrieb und Verbrennungsmotor in einem sind beliebt, weil man in der Stadt emissionsarm fahren und auf Langstrecken nach wie vor die Kraft eines normalen Verbrennungsmotors nutzen kann. Aber wie sieht es hier mit der Ölobilanz aus? Offenbar nicht allzu gut, so zumindest die Aussage des Verkehrsministeriums auf Anfrage der Grünen-Fraktion. Demnach hat sich die Bilanz in den letzten Jahren sogar verschlechtert, wobei sie aber deutlich besser ist als bei herkömmlichen Verbrennungsmotoren und nur etwa zwischen der Hälfte und einem Drittel der CO²-Emissionen ausmachen. Natürlich kommt es im Wesentlichen darauf an, mit welcher Antriebsart das Hybrid-Auto vorwiegend genutzt wird. Da die Hybrid-Technologie zudem häufig bei leistungsstarken Fahrzeugen wie SUV eingesetzt wird, ist der positive Klimaeffekt in solchen Fällen ohnehin eher gering. Die Förderung von Hybrid-Fahrzeugen liegt immerhin bei 3000 Euro. Auch hier bieten Kreditgeber teilweise zinsgünstigere Kredite an als für herkömmliche Fahrzeuge.

4. E-Autos

Die spannende Frage ist also: Sind reine E-Autos die klimafreundlichsten Fahrzeuge? Wenn man alle Faktoren berücksichtigt – von der Herstellung der Fahrzeuge und der Batterien über die Bereitstellung der Energie bis hin zur Entsorgung und dem Recycling – gibt es keinen Unterschied zwischen E-Autos und Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren, was die Umweltfreundlichkeit angeht. Allerdings kommt es ganz darauf an, woher der Strom kommt, mit dem das Fahrzeug betrieben wird. Strom aus Kohlekraftwerken hat natürlich keine besonders gute Klimabilanz, im Gegensatz zu Strom aus Windenergie. Auch die Lebensdauer des Fahrzeugs spielt eine Rolle. Je länger man ein E-Auto fährt, desto besser ist die Klimabilanz. Die Lithium-Batterien von E-Autos werden häufig negativ in Sachen Klimabilanz beurteilt, obwohl das Herstellungsverfahren an sich, also die Rohstoffgewinnung, das Klima kaum belastet. Lediglich die Anteile an Kupfer und Aluminium dämpfen die positive Klimabilanz. Lithium kommt hauptsächlich aus südamerikanischen Ländern, weshalb es hauptsächlich die Transportwege in heimische Produktionsstätten sind, die das Klima belasten. Da die Lithium-Batterien eine lange Lebensdauer besitzen und zudem noch recycelt werden können, ist deren Klimabilanz relativ gut. Es ist eher der Transport des Rohstoffs sowie die Verarbeitung der anderen Rohstoffe, aus denen die Fahrzeuge bestehen. Geht E-Auto also noch klimafreundlicher? Wie sieht es mit Brennstoffzellen aus? Hier wird aus Wasserstoff der nötige Strom für die Fahrzeuge erzeugt. Auch die Reichweite ist höher als bei Lithium-Batterien und das Tanken geht schneller. Allerdings ist die Klimabilanz von Wasserstoff alles andere als positiv, da Wasserstoff aus Erdgas gewonnen und dabei CO² freigesetzt wird. Zwar sind die Unterschiede im Verhältnis zur Herstellung von Lithium-Batterien nicht allzu groß, jedoch ist das Herstellungsverfahren von Wasserstoffzellen teurer als das von Lithium-Batterien.
Was die Finanzierung angeht, so gibt der Staat auch noch etwas dazu, wenn man ein Elektroauto kauft. Der Umweltbonus wurde bis Ende 2020 verlängert. Das bedeutet: Die seit 2016 bestehenden Subventionen durch den Bund und die Hersteller vieler E-Autos von 4000 Euro bleibt bestehen. Das Kfz muss in der Liste der förderfähigen Elektrofahrzeuge verzeichnet sein. Der Nettolistenpreis muss zudem unter 60.000 Euro liegen, damit das Auto förderfähig wird. Hinzu kommt eine Kfz-Steuerbefreiung von 10 Jahren, sofern das Fahrzeug bis zum 31.12.2020 zugelassen wird. Diese gilt aber nicht für Hybridfahrzeuge. Für Dienstwagen gibt es weitere Steuervorteile: Elektro- und Hybridfahrzeuge werden pauschal mit 0,5% des Listenpreises versteuert.
Die Höhe der Subventionierung der Ladestation in der eigenen Garage ist aber abhängig vom Bundesland, der Stadt und den Energieversorgern. Auch die KfW bietet Förderungen für Unternehmen und Freiberufler an.

Fazit

Das Elektroauto mit Lithium-Batterie kommt in der Summe am klimafreundlichsten daher. Die Qualität der E-Autos wird zudem immer besser, so dass die positive Klimabilanz weiter steigen wird. Je mehr E-Autos genutzt werden, desto größer der positive Effekt für die Umwelt. Die angesprochenen negativen Faktoren bei der Herstellung werden umso stärker kompensiert, je mehr E-Autos auf unseren Straßen anstelle von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren unterwegs sind. Die steuerlichen Vorteile und Zuschüsse sind ein weiterer Anreiz, auf E-Autos umzusteigen, wenn auch die Anschaffung aktuell noch etwas teurer ist als die von Benzinern oder Dieselfahrzeugen. Wer sein Auto ohnehin finanziert oder least, kann aber auch hier von Sonderkonditionen profitieren, die von einigen Banken speziell für E-Autokäufer gewährt werden.

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